In meiner Arbeit beschäftige ich mich mit Wahrnehmung und Konstruktion von Realität und alltäglichen Ambivalenzen. Das umfasst die Auseinandersetzung vor allem mit Identität, aber auch Individualität, Normalität, gesellschaftliche Normen, Konsum, deren Bezüge zueinander, deren Entstehung, Aufrechterhaltung und Repräsentation. Dabei gehts mir gar nicht darum etwas zu zeigen, sondern eher die Welt um mich herum zu erkunden. Dafür verwende ich hauptsächlich die Fotografie, dann die Zeichnung und das Malen oder auch Text. Das Medium ist nicht vorrangig es ist eher so, dass ich die Vorteile diverser Medien in ihren Eigenheiten nutze.
Ein Teil meiner Beschäftigung besteht aus der Beobachtung von Branding und Werbung im öffentlichen Raum. Diese greift häufig stark in diesen ein und prägt Kaufverhalten und Markenbewusstsein. Teilweise fungiert die Präsentation von Brands zum Beispiel bei Werbepylonen wie ein Wegweiser, damit Menschen wissen, wohin sie pilgern sollen.
Das hat mit meiner eigenen Geschichte zu tun. Aufgewachsen bin ich in der sozialistischen DDR, komme aus einem Arbeiter Umfeld in dem studieren verpönt war, teils bis heute noch ist und Kunst schon gar nicht verstanden wird. Ich war Leistungssportler, Baulehrling und Bauarbeiter, Funker bei der Bundeswehr und hab in diversen Jobs als Kellner, Vertreter, Fahrer oder Bühnentechniker gearbeitet. Studiert habe ich dann doch, aber nicht Kunst, sondern Visuelle Kommunikation an der Bauhaus Uni in Weimar und habe dort die subversive Kraft von Werbung kennengelernt. Nach einem kurzen Intermezzo in einer globalen Werbeagentur in Berlin, entschloss ich mich auf der Welt als selbständiger Fotograf umherzuwandeln. Als solcher arbeitete ich fortan als Werbe-, Hochzeits-, Architektur-, Industrie-, Portrait-, Akt-, Stillife-, Reportage-, Mode-, Produktfotograf, zusätzlich als Dozent in Trier, Senior Lecturer an der Angewandten in Wien und kümmerte mich parallel darum, meine eigene künstlerische Arbeit mit diversen Projekten voranzubringen.
Die Suche nach der eigenen inneren Identität beschäftigt mich also schon lange. Denn ich durfte mich, nicht als Ferienjob, sondern als Aussicht auf meine Zukunft, in unterschiedlichste Lebensrealitäten hineinbewegen. Gezwungenermaßen hab ich aber auch mit dem Mauerfall erfahren, dass alles was das äußere Umfeld oder der äußere Kontext (Staat, Familie, Glaube) einem für das Leben vorschlägt, von heut auf morgen wie ein vertrockneter Kuchen zerbröseln kann. Die Aufgabe ist also Identität im Inneren zu suchen, möglichst zu finden und zum eigenen Sein vorzudringen. Diese Suche geht unweigerlich einher mit inneren Konflikten, die sich sowohl in meinen Zeichnungen, als auch in meiner fotografischen Arbeit widerspiegeln. Innere Zwänge, als Gefühle von Gefangensein, hervorgerufen durch äußere, gesellschaftliche Forderungen wie Erfolg, Status, Geld, Familie, Herkunft, Sicherheit. Einflüsse und Gegebenheiten also äußere Einflussnahme versus innere Freiheit.