Die Serie „Blumen in Vasen“ habe ich 2022 mit dem Gedanken begonnen, mal etwas ohne Konzept oder Kontext zu machen. Ich wollte schöne Bilder, die man anschauen kann und sich daran freuen kann.
Es gibt daher inhaltlichen Zusatz oder wenn man so will: einen Untertitel zu den Blumenbildern, der lautet: Verschiedene Blumen in verschiedenen Vasen – ohne gedanklichen Hintergrund (es sei denn Sie entdecken selbst einen). Im englischen klingt das etwas griffiger: Various flowers in various vases – no intended meaning (unless you spot one).
Selbstverständlich dürfen sich alle einen Kontext oder inhaltlichen Zusammenhang überlegen oder vorstellen, ich rate aber eher davon ab. 
Die Bildtitel ergeben sich aus den Anfangsbuchstaben von „Blumen in Vasen“ sowie der Bildnummer, die die Kamera bei der Aufnahme automatisch vergibt.

BIV 3084

BIV 3084, gerahmt

BIV 3108, 2022/04

BIV 3108, gerahmt

Ah es kommt dann doch noch zu einem Kontext:
1. Der Ausgangspunkt: Arbeiten ohne vorgegebenen Kontext
Die Serie „Blumen in Vasen“ begann 2022 mit dem Wunsch, Bilder zu machen, denen keine vorher festgelegte inhaltliche Aussage zugrunde liegt.
Im Unterschied zu konzeptionell angelegten Arbeiten wie den Pasta Towers sollte zunächst das Bild selbst im Mittelpunkt stehen: Blumen, Vasen, Farben, Formen und ihre fotografische Inszenierung.
Der englische Untertitel beschreibt diesen ursprünglichen Ansatz:
Various flowers in various vases – no intended meaning (unless you spot one).
Er ist deshalb weiterhin richtig. Die Arbeiten entstanden ohne eine zuvor formulierte Bedeutung. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie bedeutungslos bleiben müssen.
2. Der schöne Schein
Die Blumenarrangements sind opulent, sorgfältig inszeniert und auf ihre Wirkung hin gestaltet. Aber diese Wirkung ist hergestellt. Hinter der schönen Oberfläche stehen Eingriffe, Hilfsmittel und Konstruktionen, die normalerweise unsichtbar bleiben sollen.
Und genau da liegt die Verbindung zu Werbung und Konsum: Wir sehen ein sorgfältig gestaltetes Bild, aber nicht unbedingt die Bedingungen, unter denen dieses Bild entstanden ist.
Die Blumenbilder können damit als Sinnbilder des schönen Scheins verstanden werden.
Das Schöne ist nicht unbedingt falsch. Aber seine Erscheinung ist konstruiert. Und das, was wir sehen, ist nur ein Teil dessen, was tatsächlich vorhanden ist.
3. Die Unvollkommenheit
Abgebrochene Blumen, herausragende Stiele, verformte Blüten und andere vermeintliche Fehler gehören zu den wesentlichen Merkmalen der Serie.
Diese Unvollkommenheiten unterbrechen die sorgfältig hergestellte Erscheinung.
Sie sind nicht bloß Störungen einer ansonsten perfekten Inszenierung. Sie machen sichtbar, dass die Inszenierung selbst unvollkommen ist.
Darin liegt auch eine Verbindung zur Fragilität größerer Zusammenhänge: Was stabil und selbstverständlich erscheint, kann von Bedingungen abhängen, die wir kaum wahrnehmen.
Das betrifft nicht nur Werbung und Konsum, sondern lässt sich auch auf gesellschaftliche Ordnungen, historische Entwicklungen und unser Verständnis von Wirklichkeit beziehen.

BIV 6936

BIV 6936, gerahmt

BIV 3062, 2022/04

BIV 3358

BIV 3265, 2022/04

BIV 0032

↑Back to Top