Die Serie bezieht sich auf die Inszenierung eines eigenen Ichs bei Jugendlichen unter Einflüssen aus Mode, Musik, Markt, Werbung und Gesellschaft. Einbezogen werden sämtliche gesellschaftliche Kulturen, Szenen und Religionen. Auch sollen Unterschiede zwischen Stadt und Landbevölkerung sichtbar gemacht werden. 17 war ein langfristig konzipiertes Projekt, dessen Anliegen es ist über Jahre hinweg Veränderungen in der Jugendkultur abzubilden.
2008-2021. Rolled out throughout multiple countries, Seventeen is a project that aims to photograph exclusively seventeen year old adolescents.
There`s no other time in life where peers differ as much from each other as in the time of adolescence. The photo series shows authentic adolescents at the age of 17. The pictures highlight the external influences on the self-presentation of the teenagers. On one hand these young adults are the originators of their style, wich draws from different influences such as popular media, music and commercial role models. On the other hand they are in a state where their characters are still in the making. Therefore, the interaction of age, personality, identity, fashion, markets, era, social context and popular media culminate in the presented series of portraits.
Ausstellungansicht, Neues Museum Weimar, 07/2010
Ausstellungansicht, Neues Museum Weimar, 07/2010
Ausstellungansicht, Neues Museum Weimar, 07/2010
Text zur Arbeit von Dr. Birke Sturm
2016 wurde Dr. Birke Sturm mit einer Arbeit über Darstellung und Normierung körperlicher Schönheit in der Moderne an der Akademie der bildenden Künste Wien promoviert. Und lehrt derzeit als Assistenz Professorin an der Universität Mozarteum in Salzburg.
"In dem international angelegten Projekt Seventeen fotografiert Marcel Köhler Jugendliche, die siebzehn Jahre alt sind (+/- 6 Monate). Vor weißem Hintergrund zeigt jedes Bild der seit 2008 stetig wachsenden Serie einen einzelnen jungen Menschen in selbst zusammengestellter Kleidung und selbst gewählter Pose.
Die Anweisung, die die Jugendlichen von Marcel Köhler erhalten, bevor sie bei den Fotoaufnahmen erscheinen, richtet sich auf mehrere Teilbereiche ihres Lebens: Sie sind dazu angehalten, ein Outfit zu wählen, in dem sie sich vorstellen können, zunächst zur Schule oder zur Arbeit und im Anschluss noch auf eine Party zu gehen. Deutlich zeigt Marcel Köhler in den Fotografien das spezifische Interesse der jungen Menschen an der Herausbildung eines ganz individuellen Stils, der über Make-up, Kleidung, Frisuren und Accessoires gestaltet wird. Darin zeigt sich, wie nah Individualität und Konformität beieinander liegen: Schließlich wird die Individualität gerade über die Zusammenstellung massenhaft produzierter Waren ausgebildet, die doch eigentlich auf Konformität verweisen.
Auch werden über die Kleidung gesellschaftliche Werte transportiert und Rückschlüsse auf das kulturelle Umfeld der Jugendlichen zugelassen, die jeweils nicht als individuell zu verstehen sind. Es zeigt sich somit einerseits der schmale Grat, auf dem sich (nicht nur) Jugendliche auf der Suche nach Identität und einer individuellen Persönlichkeit befinden. Andererseits wird vor Augen geführt, an welchen Stellen es gelingen kann, trotz vorproduzierter Modeartikel und soziokulturell vorgeprägten Handlungs- und Wertungsmustern eigenständig zu agieren. Treffend ist hier der von Claude Lévi-Strauss geprägte Begriff der Bricolage, der in den Cultural Studies schon seit längerem für die Beschreibung und Analyse von jugendkulturellen Stilen verwendet wird. Ein Bricoleur oder eine Bricoleuse verwendet das Vorgefundene auf ganz eigene Art und Weise und nicht unbedingt in seiner je vorgesehenen Zweckhaftigkeit. In Bezug auf das eigene Styling werden also beispielsweise Kleidungsstücke von der Stange unerwartet kombiniert oder verändert und dazu Accessoires selbst gestaltet oder die Haare eigensinnig frisiert.
Neben all dem machen Marcel Köhlers Arbeiten insbesondere eines sichtbar: das enorme kreative Potential, das alle abgebildeten Jugendlichen bei der Gestaltung und Inszenierung des eigenen Stils mitbringen und umsetzen."
2010/11 Vortrag über die Arbeit in Hamburg vor der DFA in den Deichtorhallen
Ausstellungsansicht Kunsthalle Trier, 2010
Ausstellungsansicht Kunsthalle Trier, 08/2010
Andreas 2008
Bianca 2008
Manuel 2008
Alma 2009
Stephanie 2010
Kamil 2010
Najeem 2010
Jens 2010
Johanna 2010
Anna Lucia 2011
Sissi 2011
Victoria 2011